Wie „bio“ kann Hydroponik sein?

Im Urban Gardening/Urban Farming, aber auch im normalen Gewächshausanbau wird es zunehmend üblich, in Hydroponik-Systemen ohne Erde in einer Nährlösung anzubauen. In den USA, aber auch bei uns gibt es eine Debatte, ob Gemüse, das in einem Hydroponik-System angebaut wurde, biologisch („organic“) sein kann.

Der Anbau von Gemüse ohne Erde in Hydroponik-Systemen (beispielsweise in Rinnen, durch die eine Nährlösung läuft), ermöglicht den Gemüseanbau dort, wo Boden fehlt oder ungeeignet ist.
Die erdelose Zimmerpflanzenkultur (hier in Blähton mit einem Wasserstandsanzeiger) wird als Hydrokultur bezeichnet.

Gärtnerische Erzeugnisse wie Gemüse, Kräuter oder Obst erhalten bei uns nur dann eine Bio-Zertifizierung, wenn ihr Anbau bestimmte Kriterien des Bio-Anbaus erfüllt. Dazu gehört, dass die Produkte in Erde angebaut wurden. Tatsächlich spielt die Pflege des Bodens und die Kreislaufwirtschaft beim Bio-Anbau eine große Rolle – da gibt es Mischkultur und Gründüngung, und über die Kompostierung der Pflanzenabfälle und die Rückführung des fertigen Komposts als Dünger wird der Stoffkreislauf geschlossen – auch eine Frage der Nachhaltigkeit und des ganzheitlichen Denkens. Außerdem dürfen nur Dünger, die als Biodünger zertifiziert sind, sowie spezielle Pflanzenschutzmittel genutzt werden.

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Bei hydroponischen Systemen gibt es keinen gewachsenen Boden und auch kein „erdiges“ Substrat, sondern die Pflanzen stehen mit ihren Wurzeln in Steinwollwürfeln oder einem ähnlichen Material und diese in einer Kunststoffrinne oder einer Kunststoffwanne. Die Pflanzen werden über eine  Nährstofflösung (zirkulierend beim Nutrient-Film-Technik – NFT, sonst Ebbe-/Flutsystem, Tropfsysteme o. Ä.) mit Wasser und Nährstoffen versorgt. Auf Profi-Ebene ist dieses Anbausystem sehr kapitalintensiv, weil es hohe Investitionskosten für die (technische) Ausstattung erfordert. Um diese Kosten wieder hereinzuholen, muss (und kann) eine besonders hohe Produktivität erreicht werden. Diese hohe Produktivität wiederum erfordert oft hohe Arbeits- und Betriebskosten – letztere für die Zusatzbeleuchtung beim vertikalem Anbau (Vertical Farming) oder beim Ganzjahresanbau im Gewächshaus, für die Klimatisierung, für beste Produktionsmittel und so weiter.

Sonderfall Aquaponik

YouTube Video: ECF FARMSYSTEMS – AQUAPONIKFARMEN FÜR DIE URBANE ZUKUNFT | #47 (Kanal: EnergyTV24)

Ein Spezialfall der Hydroponik ist die Aquaponik, eine Kombination von Fisch-Aquakultur und Pflanzenanbau in Hydroponik. Zwar stehen auch hier die Pflanzen ohne Erde in Rinnen oder Wannen, aber als Nährlösung wird das nährstoffreiche Abwasser der Fischzucht verwendet. Es gibt also zumindest teilweise einen Nährstoff-Kreislauf: Die Ausscheidungen der Fische dienen den Pflanzen als Dünger, nachdem sie von zugeführten Mikroorganismen pflanzenverfügbar gemacht wurden. Allerdings: Was ist mit den Pflanzenabfällen? Und was passiert mit den erdelosen Würfeln, in denen die Pflanzenwurzeln standen? Eine Kompost-Wiederverwendung im gleichen System gehört (meines Wissens bisher) zu diesem Kreislauf nicht dazu – der Kompost müsste woanders eingesetzt werden.

„Organic-Hydroponic“-Diskussion in den USA

In den USA wurde jetzt vom U. S. National Organic Program (NOP) eine Task Force gebildet, die die Nutzung der Hydroponik-Systeme in der Praxis analysiert und abklären soll, ob Hydroponik mit den US-Bestimmungen zum organischen Anbau unter bestimmten Bedingungen zusammenpassen kann. Bis jetzt war es nach dem U.S. Landwirtschaftsministerium erlaubt, Ware aus Hydroponikanbau als biozertifiziert („labeled as organic“) zu vermarkten, wenn die sonstigen „Organic-Regularien“ beachtet wurden – übrigens entgegen der Empfehlung des National Organic Standards Board (NOSB) vom Jahr 2010! In den USA gibt es organisch zertifizierte Flüssigdünger für Organic Hydroponic, beispielsweise von Kimitec.

Bio-Hydroponik (Bioponik) bei uns

Manche Hydroponik-Anbauer bei uns möchten dem Bioanbau möglichst nahekommen, auch wenn sie ihre Bioponik-Erzeugnisse nach unseren Gesetzen nicht mit einem Biosiegel auszeichnen dürfen. Sie verwenden für den Bio-Anbau zugelassene und für Bio-Hydroponik geeignete organische Dünger, wie Biosevia. Diese Dünger benötigen (zusätzlich) Mikroorganismen, damit die organischen Verbindungen des organischen Düngers überhaupt pflanzenverfügbar gemacht werden – diese Mikroorganismen sind sonst in der Erde. Das entsprechende Produkt heißt BM und enthält den Bodenpilz Trichoderma harzianum.

Dass dieser Umsetzungsprozess mit Hilfe von Lebewesen nötig ist, macht die Vorhersage der Nährstoffverfügbarkeit bei Bioponik schwieriger als bei Hydroponik – das ist aber auch beim Bio-Anbau im Vergleich zum konventionellen Anbau mit chemisch erzeugten, mineralischen Düngemitteln so, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt. Eine positive Nebenwirkung dieser zersetzenden Mikroorganismen ist: Sie können pflanzenschädliche Organismen verdrängen. Ihr Nachteil: Sie verbrauchen Sauerstoff und führen möglicherweise zu Ablagerungen und Verstopfungen im technischen System. Auch ist die Steuerung des pH-Wertes bei Verwendung von organischem Dünger schwieriger als bei mineralischen Nährstofflösungen.

Zusammengefasst

Bei uns erhalten Produkte aus Hydroponik, Aquaponik oder Bioponik grundsätzlich kein Biosiegel. Bei den Amerikanern ist das anders, wird aber möglicherweise demnächst neu entschieden.

Weitere Informationen

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„The Secrets of the Beauty World“: Shane Dawson und Jeffree Star lüften Geheimnisse der Beauty-Welt

Wie mit der Gutgläubigkeit von Influencern und Kunden der große Reibach gemacht wird, decken Jeffree Star und Shane Dawson in ihrem Video The Secrets oft he Beauty World auf. Das Wichtigste. (Meinung)

Das Video „The Secrets of the Beauty World“ ist der zweite Teil einer Serie von, mit und rund um Jeffree Star, Shane Dawson, ihr gemeinsames Projekt im Speziellen sowie um die Beauty Branche, Social Media und die Beauty-Community allgemein.

Diese zweite Folge der Serie dürfte manchem YouTuber/Influencer, aber auch Social-Media-Nutzern sowie normalen Make-up-Kunden die Augen öffnen. Es geht unter anderem
  • um die Preiskalkulation in der Beauty-Industrie sowie
  • um die Beteiligung der Influencer am Erfolg von Produkten, an denen sie mitgewirkt haben und für die sie ihr Gesicht und ihren Namen hergeben, sowie
  • darum, wie Influencer am Gewinn von ihren Fanartikeln (Merch) beteiligt werden.
The Secrets of the Beauty World (YouTube-Kanal: Shane)



Jeffree Star ist ein erfolgreicher Beauty-Guru (über 16,2 Millionen Abonnenten auf YouTube) aus Kalifornien (USA). Er ist der geschäftsführende Besitzer seiner eigenen Kosmetikmarke Jeffree Star Cosmetics (JFC), Mitinhaber von Killer Merch (Leistungen rund um Fanartikel – vom Design über die Herstellung bis zu Auslieferung und Kundenservice) und innerhalb der letzten Jahre zum vielfachen Millionär geworden. Er legt in obigem Video Zahlen aus seinem eigenen Unternehmen offen und ungefähre Kalkulationen von anderen.

Shane Dawson, ebenfalls aus Kalifornien, der die Videoreihe zusammen mit Andrew Siwicki dreht und editiert, ist ein YouTube-Urgestein, der praktisch mit YouTube erwachsen geworden ist, nebenbei auch Bücher geschrieben und Kurzfilme gedreht hat. Er hat über 22 Millionen Abonnenten bei YouTube und wird von seinen Fans manchmal als König oder Oprah von YouTube bezeichnet – letzteres, weil er oft die umstrittenen, die „gefallenen“ oder die ausgebrannten YouTuber aufspürt, sie aus einer neuen Perspektive zeigt und ihnen (wieder) zu mehr Sichtbarkeit verhilft. Jedoch hat er im Vergleich zu anderen Influencern wenig Geld aus seiner Beliebtheit und seiner Reichweite gemacht. In dem Video „The Secret World of Jeffree Star“, das er vor einem Jahr über Jeffree Star gemacht hat, sagte er denn auch spaßeshalber zu ihm „… and I want you to make me rich“.

Tatsächlich wurden die beiden Freunde und inspirieren sich seitdem gegenseitig. Ihre gemeinsamen Video-Projekte sind alle große Erfolge und die Folgen der aktuellen Videoserie begleiten (unter anderem) die Entwicklung von Shane’s erster Make-up-Kollektion unter dem Dach von JFC und neuen Fanartikeln bei Killer Merch.

Jeffree Star konzipiert jede seiner Kollektionen (Frühjahr, Sommer, Vorweihnachtszeit) jeweils um eine Lidschattenpalette herum. Die Blue-Blood-Palette kam beispielsweise im Frühjahr 2019 heraus. Jede Palette soll durch ihre Kampagne, Design und Qualität für den Kunden zum besonderen Erlebnis werden
(„… a different experience“, „… a moment in time“).

Die Kalkulation einer Jeffree-Star-Lidschattenpalette

Die erfolgreichste JFC-Lidschattenpalette war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten die Blood-Sugar-Lidschattenpalette – ein knallrotes Köfferchen, wie ein Erste-Hilfe-Kasten, mit vielen Rot- bis Violetttönen darin, aber auch mit sanftem Beige und Braun für einen subtileren Look. Die Lidschattenpalette wird im Video oft gezeigt.

Die Kosten für Rohstoffe, Herstellung, Kampagne (Fotoshootings, Plakate, Webshop-Gestaltung, PR etc.), Kundenservice, Versand, Verteilung an die nationalen und internationalen Einzelhandelspartner etc. belaufen sich auf etwa 20 Euro/Palette, legen Jeffree Star und sein Team offen. Das sei sehr teuer im Vergleich zu anderen Unternehmen. Aber ihm ist das Erlebnis für den Kunden wichtig, nicht nur hinsichtlich der eigenen Formulierung der Produkte, auf die er beispielsweise bei den flüssigen Lippenstiften und den Lidschattenpaletten besonders stolz ist, sondern auch wie das jeweilige Produkt in der Verpackung aussieht und sich anfühlt. Seine Kollektionen entwickle er wie Musikalben, wobei die Lidschattenpalette das Zentrum bildet, von dem er sich für die weiteren Artikel der Kollektion anregen lässt. Das Labor, mit dem er zusammenarbeitet, ist in Kalifornien und nicht in China, was sich auf die Kosten niederschlägt, und seine Behälter und Verpackungen sind nicht von der Stange, sondern immer besonders gestaltet, vieles lässt er in eigenen Manufakturen herstellen.

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Verkauft wird die Blood-Sugar-Palette zu 52 US-Dollar. Seine ungefähre Marge ist mit etwa 170 % für die Branche extrem niedrig, so Jeffree. Viele Unternehmen ließen für einstellige Dollar-Beträge in China herstellen und schlagen dann 700 % Marge auf. Diese Produkte gäbe es dann (unter anderem) auch in gehobenen Parfümerieketten wie Sephora oder Ulta.

Wieso verdient Jeffree Star trotzdem so viel Geld?

Die vergleichsweise niedrige Marge benachteiligt Jeffree Star zwar zunächst in seiner „Erfolgsrechnung“ gegenüber anderen Unternehmen, aber dies gleicht sich durch die großen Stückzahlen wieder aus. Mit der Blood-Sugar-Palette hat er geschätzt über 20 Millionen US-Dollar verdient.

Jeffree Star hat viele Fans, die sich mit ihm verbunden fühlen, sogar solche, die sein Make-up kaufen, ohne dass sie selbst Anwender sind, einfach weil sie die Produkte schön finden oder sie ihn aus anderen Gründen unterstützen wollen. Viele seiner Fans folgen ihm seit seinen MySpace-Tagen und seiner Zeit als Singer-Songwriter. Aber viele hat er auch neu hinzugewonnen. Er ist eine faszinierende Persönlichkeit und in vielerlei Hinsicht außerordentlich talentiert. Er hat keine Ausbildung als Business-Profi, was er brauchte, hat er sich beigebracht.

Mit seinen Fans ist er rund um die Uhr über Twitter, Snapchat, Instagram und Youtube in Verbindung – Jeffree-Star-Fans haben keine langweiligen Momente, die nächste Überraschung ist gewiss.

Und wenn Jeffree Star etwas Neues herausbringt, wird es ihm im übertragenen Sinne aus den Händen gerissen und viele Fans bedanken sich nach dem Kauf noch auf Twitter bei ihm dafür, dass er so etwas Schönes für sie gemacht habe.

Auch wenn sich Jeffree Star jetzt, wenn er darauf Lust hat, mit Diamanten behängen kann und seine vielen Super-Autos nicht mehr in seine Garage passen, so wissen seine Fans, aus welchen Verhältnissen er kommt und wie hart er für seinen Erfolg gearbeitet hat und täglich arbeitet. Und sie lieben ihn dafür, dass er, obwohl er oft Gucci, Balmain und LV trägt und eine der größten Kollektionen an Hermès-Birkin-Bags besitzt, sich auch für einen Taco-Bell-Jumpsuit für 20 US-Dollar begeistern kann (Taco-Bell ist eine amerikanische Tex-Mex-Fastfoodkette), ganz abgesehen davon, dass er sein Licht immer wieder auch auf andere scheinen lässt und viel Geld an Wohltätigkeitsorganisationen spendet.

Im Video „The Secrets of the Beauty World“ (siehe oben) sagt Jeffree Star, dass sein Geschäftspartner ihn zu höheren Preisen und damit einer höheren Marge bewegen wolle – die Blood-Sugar-Lidschattenpalette solle beispielsweise für 75 bis 80 US-Dollar verkauft werden. Aber das will er nicht. Für ihn sei das Kunst und für ihn stehe nicht das Geld im Vordergrund („because this is art to me and I am not in for money“, „I want to create f*cking dope shit“). Mit einem höheren Preis könne er sich nicht identifizieren (und ich denke, er liegt mit dieser Entscheidung richtig, denn (noch) höhere Preise würden die meisten seiner Fans überfordern). Seine Paletten liegen preislich im Mittelfeld, aber qualitätsmäßig nach Meinung vieler Reviewer und Maskenbildner (Makup Artists, MUA) über dem, was von anderen zu einem ähnlichen Preis verkauft, aber billig eingekauft und hergestellt wird.

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Jeffree Star verdient also auch mit niedrigerer Marge noch genug Geld mit JFC und Killer Merch. Dazu kommt, dass er auch noch andere Einnahmequellen hat, beispielsweise seine Kooperationen (als Person, nicht als JFC) mit Morphe Brushes, deren Produkte auch bei Ulta verkauft werden, und anderes mehr. Und möglicherweise erhält er auch noch Tantiemen für seine Musik.

Das Drama um Nikkie de Jager alias NikkieTutorials und Two Faced

Marken arbeiten bekanntermaßen mit Influencern zusammen. Traditionell gibt es die „Brand Deals“, bei denen Influencer dafür bezahlt werden, dass sie Werbung für die Marke machen – klassisches Influencer Marketing. In den letzten Jahren setzen einige Marken auf engere Beziehungen mit den Influencern (Influencer Relations), die dann beispielsweise an der Produktentwicklung mitwirken dürfen (Co-Creation) und ihr Gesicht und ihren bekannten Namen für die Kampagne Bewerbung dieser Produkte hergeben.

In der Make-up-Welt dürfen beispielsweise Influencer ihre „eigene“ Lidschattenpalette unter dem Dach der Kosmetikmarke herausbringen beziehungsweise am Thema, Design, Farbauswahl etc. der Palette mitwirken. Beispiele der letzten Zeit sind Marvyn Macnificent mit BH Cosmetics, Jackie Aina mit ABH Cosmetics, Fumi Desalu-Vold mit Juvia’s Place.

Für ihre Beteiligung an der Produktentwicklung sowie für ihre Werbung über ihre Kanäle als Influencer und was sonst noch vereinbart werden kann, erhalten sie eine Gegenleistung. Was beide Seiten einbringen und dafür erhalten, wird vertraglich vorab geregelt. In manchen Verträgen wird eine pauschale Abfindung für den Influencer ausgemacht, bei anderen eine Beteiligung am Gewinn der verkauften Stücke, bei dritten eine Kombination aus beidem.

Jeffree sagt im Video, dass er bei einer Zusammenarbeit mit einem kleineren Influencer als Shane die Gewinnbeteiligung bei 20 % ansetzen würde, aber da Shane so viel mitbringt (Reichweite, Kreativität etc.) wird seine Beteiligung wahrscheinlich zwischen 25 und 30 % liegen (er hatte das noch nicht mit seinem Team besprochen), ohne dass Shane selbst Geld einbringen müsse. Da er davon ausgehe, dass sich Shane’s Palette noch besser als seine eigene Blood Sugar Eyeshadow Palette verkaufen wird, würde Shane vermutlich alleine mit der Palette etwa 5 Millionen US-Dollar verdienen. Dazu kommen noch Einnahmen für eine Kollektion flüssiger Lippenstifte, Accessoires und Fanartikel.

Jeffree erzählt im Video davon, wie eine unerfahrene Influencerin von einer Make-up-Firma über den Tisch gezogen wurde: Nikkietutorials aus den Niederlanden mit ihren Millionen von Fans auf ihrem englischsprachigen YouTube-Kanal erhielt vom Make-up-Unternehmen Two Faced angeblich gerade mal 50.000 US-Dollar als einmalige Abfindung und keine Tantieme oder irgendetwas, während das Make-up-Unternehmen angeblich über 10 Millionen US-Dollar Umsatz mit ihrer Palette gemacht haben soll. Nikkie sagte inzwischen in den sozialen Netzen, sie sei damals selbst schuld gewesen, dass sie einen solchen Vertrag unterschrieben habe, sie wusste es nicht besser. Das Schlimmste sei jedoch gewesen, dass die Formulierung der Lidschatten allem Anschein nach und ohne ihr Wissen im Nachhinein verschlechtert wurde (Hinweis: angeblich/allegedly), wodurch ihre Fans bei der Anwendung Probleme hatten, während sie bei ihrer Vorführung im YouTube-Video mit ihrer Original-Palette von der Qualität schwärmte. Sie verlor damals Fans und wurde als Lügnerin bezeichnet. Sie sagt, es brauchte Jahre, um ihren Ruf wiederherzustellen. Inzwischen hat sie bessere Kooperationspartner.

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Auch bei den Verträgen rund um Fanartikel (Merch) lassen sich Influencer oft mit wenig Geld abspeisen. Hier erhält Shane Dawson von Killer Merch eine Gewinnbeteiligung von 70 % (Anmerkung: Auch hier muss man berücksichtigen, dass Shane eine besonders hohe Reichweite mitbringt, was zu hohen Umsätzen führt).

Wird das Video die Make-up-Welt verändern?

Jeffree Star und Shane Dawson wollten mit dem zweiten Video der Serie den Vorhang etwas lüften, beispielsweise zeigen, wie man als Beauty-Unternehmen auch kalkulieren, wie man Influencer fair beteiligen und wie ein Merch-Vertrag aussehen kann. Das ist ihnen meiner Meinung nach auf unterhaltsame Weise gelungen. Influencer werden aufgrund des Videos vorsichtiger sein beziehungsweise besser verhandeln.

Die Fans wiederum lieben es, hinter die Kulissen blicken zu dürfen, Jeffree und Shane miteinander agieren zu sehen und zu spekulieren, welche Produkte im Einzelnen das Ergebnis ihrer Zusammenarbeit sein werden – und sie freuen sich darauf, sie zu kaufen. Insofern ist das Video, und im Grunde die gesamte Serie, auch ein gelungener PR-Stunt.

Einige Unternehmen der Beauty-Branche sind wahrscheinlich nicht begeistert, dass ihre Kalkulation und manches Geschäftsgebaren offengelegt werden. Informierte Influencer werden sich nicht mehr so leicht über den Tisch ziehen lassen, einige mit genügend Reichweite, Geld zur Vorfinanzierung und Risikobereitschaft werden vielleicht ihre eigene Beauty-Marke gründen (das geht aber nicht immer gut, wie Jaclin Hill mit ihrem Lipstick Gate erfahren musste) und Konsumenten werden genauer hinschauen, wenn sie Beauty-Produkte kaufen.

Wie geht die Serie weiter?

Die gesamte Serie ist bisher sehr unterhaltsam. Drei Folgen wurden bis heute veröffentlicht, insgesamt sind neun geplant – doch es wäre nicht das erste Mal, dass Shane und Andrew umdisponieren, Themen splitten und es ein paar Folgen mehr werden. Überhaupt wird jedes Video erst kurz vor der Veröffentlichung fertiggeschnitten, unter anderem um die Reaktionen der Fans auf die letzte Folge und ihre Wünsche für die nächste (mehr oder weniger Drama, mehr oder weniger Business-Informationen etc.) berücksichtigen zu können.

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In der dritten Folge The Dangerous World of Jeffree Star, die bereits veröffentlicht wurde, geht es einerseits darum, dass „Hater“ in den sozialen Netzen die übelsten Gerüchte über Shane verbreiten sowie um den Einbruch bei JFC und ob beides womöglich zusammenhängt. Denn dass beides fast zeitgleich passierte, genau zu einer Zeit, als Jeffree mit einer Freundin und Kollegin in Dallas einen Make-up-Kurs gab – was öffentlich bekannt war -, ist vielleicht kein Zufall („Conspiracy“). Aber parallel dazu bekommt man mehr vom kreativen Prozess und der Zusammenarbeit von Jeffree und Shane sowie die ersten Lidschattenfarben und mehr zu sehen – inspirierend.

Natürlich ist die Serie die beste Promotion für Shane’s erste Make-up-Kollektion bei Jeffree Star Cosmetics sowie für seine Fanartikel bei Killer Merch – die beide demnächst erscheinen werden. Aber es ist auch das, was die Fans (und damit die Hauptzielgruppe dieser Serie) sehen wollen. Shane’s Fans und die Fans von Jeffree nehmen ihn als Make-up-Guru durchaus ernst – zwar ist er neu, aber jeder konnte das ganze Jahr über bei Snapchat und Instagram sowie auf dem YouTube-Kanal seines Verlobten verfolgen, wie er an sich, an eben diesem und überhaupt an jedem, der nicht schnell genug flüchtete, geübt hat. Er hat jetzt zuhause seinen eigenen Beauty-Raum und der ist bereits voll mit Make-up-Produkten aller bekannten Marken, die er ausprobiert und miteinander vergleicht. Man merkt, er will sich den zu erwartenden Erfolg (auch wegen des guten Rufes der Make-up-Produkte aus dem Hause JFC) wirklich verdienen. Schon jetzt – eigentlich schon seit den ersten Gerüchten lange bevor die Serie überhaupt begonnen wurde – fiebern die Fans auf den Tag hin, an dem Jeffree-x-Shane-Produkte zu kaufen sein werden. Bisher weiß man, dass wahrscheinlich eine Lidschattenpalette mit dem Motto „Conspiracy“ das Herz bilden wird – die ersten Farben kann man in der dritten Folge der Serie auch bereits sehen – und dass es Lippenstifte mit witzigen Namen geben wird. Geplant sind außerdem Accessoires (Schweinchenspiegel) und witzige Fanartikel (schweinchenförmige Rucksäcke, Hoodies, Bademäntel, Knetmasse – genannt Slime – und alles mögliche andere aus Shane Dawson’s Welt, das seine Fans lieben werden).

Nachtrag: am 15.10.2019 wurden die ersten Shane-Dawson- (und Andrew-Siwicki-) Merchartikel angeboten. Alles war nach 10 Minuten komplett ausverkauft. Aber die Fans brauchen keine Angst haben: Alles wird wiederkommen.



Übrigens ist dieser Beitrag nicht gesponsert, sondern wird über die Anzeigen finanziert, die ich eingebaut habe. Er ist aber auch nicht neutral, denn ich bin bei meinen Recherchen zum Fan geworden (daher auch die Kennzeichnung als Meinung). Ich sehe mich als Zeitzeugin und möchte andere informieren.

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Blumenzwiebeln pflanzen im Spätsommer und Herbst

Frühjahrsblüher aus Blumenzwiebeln werden im Spätsommer und Herbst gepflanzt

Schneeglöckchen, Schneestolz, Krokusse, Blausternchen, Narzissen/Osterglocken, Tulpen, Hyazinthen und viele andere „Blumenzwiebel-Pflanzen“, die im nächsten Spätwinter und Frühjahr blühen und mit ihren Farben und ihrem Sprießen unseren Winter-Blues vertreiben sollen, müssen schon zum Ende der Vorjahrs-Gartensaison gesetzt werden – also jetzt im Spätsommer und Herbst.

Pflanzen aus Blumenzwiebeln und Knollen werden botanisch zu den Stauden gezählt, denn sie ziehen sich außerhalb ihrer Blüh- und Wachstumssaison in ihre Speicherorgane – die Zwiebeln – unter die Erde zurück und treiben daraus im nächsten Jahr wieder aus. Zu den ersten Frühlingsboten gehören Schneeglöckchen und botanische Krokusse im Februar, die letzten sind die späten Tulpensorten und Zierlaucharten Ende Mai/Anfang Juni.

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Blumenzwiebel-Pflanzzeit

Die Blumenzwiebel-Pflanzzeit für die Spätwinter- und Frühjahrsblüher des nächsten Jahres beginnt im August/September und dauert bis zu den ersten Frösten im November. Diese Blumenzwiebeln werden im Spätsommer und Herbst gepflanzt (alphabetisch geordnet nach deutschem Namen):

Blumenzwiebeln

Pflanzzeit

Blütezeit

Blaustern Scilla bifolia

September

März/April

Frühlingsknotenblume (Märzbecher) Leucojum vernum

August/September

März/April

Hyazinthe Hyacinthus ssp.

September

April – Mai

Kaiserkrone Fritillaria imperialis

September – November

April

Krokusse, die im Frühjahr blühen Crocus ssp.

September – November

Februar – März

Narzissen Narcissus ssp.

September/Oktober

März/April

Schneeglöckchen Galanthus nivalis

September

Februar

Schneestolz Chionodoxa luciliae

September

März/April

Traubenhyazinthe Muscari armeniacum

August – November

April/Mai

Tulpen Tulipa ssp.

September/Oktober

April/Mai

Zierlauch Allium aflatunense

September/Oktober

Mai/Juni

Blumenzwiebeln pflanzen

Wie tief eine Blumenzwiebel optimalerweise gepflanzt wird, ist von der Art und Sorte abhängig; diese Information schreibt der Blumenzwiebelzüchter/-vertreiber üblicherweise auf die Verpackung. Als ungefährer Anhaltspunkt gilt: Das Loch wird doppelt so tief „ausgehoben“, wie die Blumenzwiebel dick ist.

Als Werkzeug zum Graben bzw. Lochbohren kann man einen Blumenzwiebelpflanzer (gibt es auch mit Stiel), eine Pflanzschaufel, ein Pflanzholz (nur für kleine Zwiebeln bei lockerem Boden) und ähnliche Gartenwerkzeuge verwenden – je nachdem, wie groß das Loch für die jeweilige Blumenzwiebel sein muss.

Man setzt die Blumenzwiebel so in das Loch, dass die Spitze nach oben und der Wurzelansatz nach unten gerichtet ist, und füllt danach mit Erde auf.

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In den Rasen sollte man nur solche Blumenzwiebel-Arten und Sorten setzen, die sehr früh blühen, denn vor dem ersten Rasenmähen benötigen die Pflanzen genügend Zeit, um mit den Blättern Photosynthese zu betreiben und Reserven anzulegen und diese auch in die Zwiebel einzuziehen.

Wenn man gleichartige Blumenzwiebeln in kleinen Gruppen zusammenpflanzt, wirkt die Pflanzung in der Regel natürlicher, aber letztendlich kann man das machen, wie man mag.

Blumenzwiebeln kaufen

Blumenzwiebeln werden zwar auch im Supermarkt und im Baumarkt angeboten, doch die größte Auswahl hat man in Gartenfachgeschäften oder in Gartencentern. Einen Blumenzwiebel-Versand bieten verschiedene Versandhändler bzw. Online-Versandhändler wie Gärtner Pötschke, Amazon.de und andere an.

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Bei manchen Blumenzwiebelarten und -sorten werden Zwiebeln unterschiedlicher Größe angeboten. Die größeren sind die qualitativ hochwertigeren, da sie mehr Reserven gespeichert haben und damit die Wuchskraft und Blühwahrscheinlichkeit größer sind.



Mehr zu -> Blumenzwiebeln

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Fake-Pflanzenbilder in Online-Shops und Katalogen? Wenn Tulpen, Stauden, Gehölze und Gemüsesorten anders aussehen als bestellt

Manchmal bekommt man nicht die Pflanzen, die man bestellt hat. Aber manchmal glaubt man auch nur, dass das Falsche geliefert wurde. Von Irrtümern bei Blumenzwiebeln (falsche Farbe), Rosen (andere Eigenschaften), Gräsern (falsche Art), Purpur-Sonnenhut, Auberginen- und Chilisorten.
Stauden und Gehölze werden meist ohne Blüten geliefert. Ob die gelieferten Sorten die sind, die man bestellt hat und die auf dem Etikett und Lieferschein genannt werden, merkt man oft erst viele Monate später.

Wenn man die im Katalog oder Online-Shop bestellten Blumenzwiebeln, Stauden, Sträucher und anderes im Herbst pflanzt, sind diese meist im Ruhezustand und/oder für einen unproblematischen Transport und die Pflanzung zurückgeschnitten. Man prüft, ob Lieferschein und Etiketten die bestellten Sorten nennen, und muss sich dann darauf verlassen. Ob es sich tatsächlich um die gewünschten Sorten handelt und ob sie auch so aussehen, wie sie im Katalog oder im Online-Shop abgebildet waren, wird man oft erst Monate später feststellen können.

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Sind Blumenzwiebeln wie Überraschungseier?

Bei Tulpen habe ich schon mehrmals die Erfahrung gemacht, dass die Sorten nach dem Aufblühen farblich völlig anders aussahen, als ich aufgrund der Abbildung bei meiner Bestellung erwartet hatte. Ich habe sogar einmal etwas enttäuscht über meine „Überraschungseier“ in meinem Verbrauchermeinungsblog geschrieben.

Damals habe ich mich für einen kurzen Moment gefragt, ob die Abbildung mit den „falschen“ Blütenfarben eine bewusste Täuschung des Anbieters im Internet war und ob die Farben im Bild bearbeitet (retuschiert/photoshopped) worden waren. Allerdings habe ich im Laufe der Jahre vor allem durch das Fotografieren gelernt, dass Blütenfarben im wirklichen Leben und entsprechend auf einem Foto jede Minute anders aussehen können.

Die folgenden Bildausschnitte der lilienblütigen Tulpensorte ‚Ballerina‘ wurden mit einer Canon EOS 300D Digital fotografiert. Nur die Bildgröße wurde bearbeitet, nicht die Farben. Trotzdem sieht die Blüte und ihre Blütenfarbe auf jedem Bild anders aus.

Tulpe ‚Ballerina‘ mittags bei Sonne
Tulpe ‚Ballerina‘ abends bei Bewölkung
Tulpe ‚Ballerina‘ abends bei Sonne (Gegenlicht im lichtem Schatten durch Strauch dahinter)

Wovon das Aussehen der Blüten und die Intensität der Blütenfarbe im realen Leben und auf Bildern beeinflusst werden

Das Aussehen von Pflanzen einschließlich der Blüten ist nicht nur durch die Sorte vorgegeben, sondern wird auch von den Bodeneigenschaften, Lichtverhältnissen und viele andere Standorteigenschaften sowie auch durch die Nährstoff- und Wasserversorgung durch den Menschen geprägt. Allerdings trifft das bei vielen Blumenzwiebeln erst ab dem zweiten Jahr nach der Pflanzung zu, weil sie bekanntlich zu einem guten Teil von den Reserven des Vorjahres, die in der Zwiebel gespeichert sind, leben.

Je nach Jahreszeit (Sonnenstand), phänologischer Jahreszeit (nach Pflanzenentwicklung entsprechend dem tatsächlichen Wetterverlauf), Tageszeit und Wetter (Bewölkung, Niederschlag, Temperatur) können Blüten außerdem geöffnet oder geschlossen sein, ihre Farben leuchten oder im Bild verschwinden. Selbst die Umgebung beziehungsweise der Hintergrund wirken sich darauf aus, wie eine Blütenfarbe wirkt, welche Details und Changierungen zu erkennen sind und so weiter, denn die beeinflussen das Licht.

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Wer Pflanzen im Verlauf ihres Lebens beobachtet, stellt fest, dass sich die Blütenfarbe einer Blume auch mit dem Alter verändert: Eine frisch erblühte Blume hat eine andere Farbe als eine, die schon „gereift“ ist oder gar kurz vor dem Verwelken steht.

Aber selbst wenn alle genannten Variablen gleich wären, sind Bilder und Videos auch je nach Standort der Kamera (Höhe, Winkel zur Sonne oder anderen Lichtquellen) sowie kamera- und kameraprogrammspezifisch verschieden – die einen wirken kühler, die anderen wärmer, die einen besonders brilliant (scharf, kontrastreich und mit leuchtenden Farben), die anderen flach und langweilig. Und auch das kann bei unterschiedlichem gegebenen Licht auch wieder genau andersherum sein.

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Online-Shops und Kataloge mit bearbeiteten Bildern

Natürlich besteht die Möglichkeit, dass die Farben der Bilder in einem Online-Shop oder in einem Katalog manipuliert sind. Aber inzwischen bin ich bei meinen Blumenzwiebeln (nicht nur bei den Tulpen-Überraschungseiern von 2012, sondern auch bei vielen anderen Tulpen- und Krokussorten) zu dem Schluss gekommen, dass die Sorten in der Regel doch sortengetreu abgebildet waren – halt zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens bei bestimmten Bedingungen. Und ich hatte erwartet, dass sie gleich nach dem Aufblühen so aussehen. Das ist aber nicht so.

Ich fürchte, man muss als Hobbygärtner und GärtnerIn bei der Katalog- und bei der Online-Bestellung für eine Beet- oder Pflanzgefäßgestaltung eine gewisse Abweichung von der ausgesuchten Farbe einplanen. Besser einschätzen kann man die Blütenfarbe nur, wenn man die Sorte vorher in einem Beet oder einem Pflanzgefäß über einen Zeitraum mit unterschiedlichen Lichtverhältnissen hinweg beobachten konnte (und wenn einem das Gedächtnis keinen Streich spielt).

Die falsche Art erhalten

Wer kann schon alle Gräser im Jugendstadium ohne Blütenstände auseinanderhalten? Ich jedenfalls einige nicht, und ein Pflanzenversender, bei dem ich Federborstengräser für mein Staudenbeet bestellt hatte, anscheindend auch nicht. Zwar wunderte ich mich schon beim Auspacken, dass die Laubblätter nicht rötlich waren, wie für die bestellte Sorte erwartet, aber das kann ja am zarten Alter des Grases liegen, sagte ich mir und pflanzte sie. Dass man mir eine völlig falsche Art geschickt hatte – nämlich Chinaschilf Miscanthus statt Federborstengras Pennisetum – fand ich erst viel später anhand der Blütenstände heraus. Normalerweise hätte ich mich wohl sehr geärgert und reklamiert, aber da das Chinaschilf tatsächlich seit Jahren sehr gut gedeiht und auch dorthin passt, wo ich es gepflanzt habe (wenn auch mit völlig anderer Wirkung, als es eine rotlaubige Sorte gehabt hätte), habe ich dem Lieferanten seinen Irrtum noch einmal verziehen. Wahrscheinlich hatte jemand die Etiketten vertauscht – entweder schon bei der Pflanzenvermehrung oder später im Verkauf/Versand.

Chinaschilf Miscanthus statt Federborstengras Pennisetum setaceum ‚Rubrum‘ erhalten. In dem Fall habe ich mich mit dem Irrtum beim Gärtner oder Versender mental arrangieren können.

Rose ‚Lavender Dream‘ mit vielen Gesichtern

Da ich unter anderem Dauerbepflanzungen von Pflanzgefäßen mit Gräsern, Stauden, Rosen und anderen Gehölzen ausprobiere, hatte ich mir 2012 eine Bodendeckerrose ‚Lavender Dream‘ für einen Kübel bestellt. In meiner Vorstellung sollte sie ihre mit lavendelfarbenen Blüten besetzen Triebe wie verwildert kreuz und quer aus dem Topf strecken. Ein bläuliches Rosa („lavender“) war mir wichtig, weil sie vor einem Schmetterlingsflieder der Sorte „Black Knight“ stehen würde, der ebenfalls in einem Kübel wachsen sollte.

Die erste Blüte der Rose entfaltete sich, Freude, nur war sie nicht lavendelfarben – zugegebenermaßen ansonsten niedlich und die Rosentriebe machten, was sie sollten, aber eben mit pink-rosafarbenen Blüten. Auch hätte sie wohl lieber einen Platz mit weniger Hitze und Lufttrockenheit als auf unserem südseitigen Tiefgaragendach gehabt, denn die einzelnen Blüten verblühten in Schönwetterphasen extrem schnell und es wurden dann im jeweiligen Sommer auch kaum noch neue Blüten gebildet. Trotzdem mochte ich sie mit der Zeit und fand es schade, als sie nach sechs Jahren einging (vermutlich dank Dickmaulrüsslerlarven ). Da ich mich an sie gewöhnt hatte und keine andere, mehr lavendelfarbene Rose mit ähnlichen Wuchseigenschaften finden konnte, habe ich die gleiche Sorte noch einmal bestellt, dieses Mal bei einem anderen Anbieter, weil es den alten nicht mehr gab.

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Die Blüten der neuen Rose der gleichen Sorte schienen mir zunächst noch weniger lavendelfarben, dafür aber sind die Blüten hitzebeständiger und somit dauert die Blütezeit schon einige Zeit an.

Beim Durchschauen meiner Bilder (nach erstem und zweiten Kauf der Rose ‚Lavender Dream‘) ist mir aufgefallen, dass nicht nur die Blüten an einer Pflanze dieser Rosensorte sehr variieren, sondern dass sie auch von Jahr zu Jahr anders sind – was ich auf den Ernährungszustand zurückführe. Beim ersten Mal hatte ich die Rose bereits im Herbst gekauft und gepflanzt, so dass sie zur Blütezeit gut angewachsen und ernährt war. Die neue Rose habe ich im Frühjahr 2019 gekauft und zu lange im Liefertopf stehen lassen, bevor ich sie in einen Kübel gepflanzt und gedüngt habe – ihre Blüten waren zunächst heller und wurden später (nach der Düngung) dunkler als die erste Rose. Das sind aber nur Beobachtungen an einzelnen Pflanzen, keine belastbaren Versuchsergebnisse und auch nur meine Schlussfolgerungen sind nur Vermutungen.

Bei den folgenden Fotos bzw. Bildausschnitten wurde nur die Größe bearbeitet, sonst nichts (nicht editiert).

Rose ‚Lavender Dream‘, gepflanzt im Herbst 2012, Aufnahme Mitte Juni 2013 mit Canon EOS 300D Digital spät vormittags bei diesiger Sonne
Rose ‚Lavender Dream‘, gepflanzt im Frühjahr 2019, Aufnahme Anfang Juni 2019 mit iPhone XS Max morgens ohne Sonne: Die Blüten wirken dunkler und sind bläulich, weil die eingebaute Kamera bei diesem Licht oft leicht bläuliche Bilder erstellt.
Rose ‚Lavender Dream‘, gepflanzt im Frühjahr 2019, Aufnahme Anfang Juni 2019 mit iPhone XS Max vormittags bei Sonne
Rose ‚Lavender Dream‘, gepflanzt im Frühjahr 2019, Aufnahme am Vormittag mit Sonne Ende Juli 2019 mit iPhone XS Max

Die Farbe Lavendel kann man sich bei der Rose ‚Lavender Dream‘ am ehesten bei schwachem Ernährungszustand der Pflanze und früh am Morgen bei bewölktem Himmel einbilden (vielleicht auch am Abend nach dem Genuss von viel Alkohol oder anderer Drogen?).

Noch mehr Variationen bei meinem Purpur-Sonnenhut

Unterschiede von Pflanzen der gleichen Sorte habe ich auch bei meinem Purpur-Sonnenhut (auch Roter Scheinsonnenhut genannt) Echinacea purpurea beobachtet.

Aus den drei Jungpflanzen der Sorte ‚Magnus‘, die ich im Herbst 2012 bestellt und in ein Beet gepflanzt hatte, wurden drei recht unterschiedliche Pflanzen (verschieden hoch mit unterschiedlichen Blüten, obwohl vom gleichen Lieferanten). Allerdings ähneln sie alle drei mehr oder weniger den Fotos von ‚Magnum‘ auf der Verkäufer- sowie anderen Websites – jedenfalls mehr als anderen Sorten.

Ein paar Jahre später haben sich dann aus Samen dieser Pflanzen Jungpflanzen entwickelt – auch im Schatten unter einer sehr starken Rose und diese Pflanzen sehen noch mal anders aus: etwas kleiner als die niedrigste der ursprünglichen drei und mit wesentlich blasserer Blütenfarbe (vermutlich wegen Lichtmangel).

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Auch die Purpur-Sonnenhutsorte „Baby Swan“, die ich 2012 mit der Prachtscharte Liatris in einen Kübel gepflanzt habe, war zunächst zwar niedriger als beispielsweise die große und die mittlere Variante meiner drei ‚Magnus‘-Pflanzen, aber doch relativ kräftig mit mittelgroßen Blüten. Im Laufe der Jahre wurde ‚Baby Swan‘ in dem Topf, den sie mit Prachtscharten Liatris teilte, mehr und mehr von der Nahrungs- und Wasserkonkurrenz unterdrückt (vor allem seit 2018) und ist nun im siebten Jahr nach der Pflanzung winzig mit winzigen Blüten – ein Purpur-Sonnenhut-Bonsai (sie hätte schon vor drei bis fünf Jahren umgepflanzt werden müssen, aber das habe ich zugunsten des Experimentes unterlassen).

Im Sommer 2013 nach der Herbstpflanzung 2012 hatten Purpur-Sonnenhut Echinacea purpurea ‚Baby Swan‘ (weiße Korbblüten) und die Prachtscharte Liatris (weißer fedriger Blütenstand, noch recht unscheinbar) kein Problem damit, sich einen Terrakottakübel zu teilen. Das hielt bis 2016 an, obwohl der Kübel eher klein ist.
2017 begann die Dominanz der Prachtscharte. Die Echinacea hat kaum noch Platz und entsprechend wenig Laub.
Nach sieben Jahren Wohngemeinschaft im Topf mit Liatris ist der Purpur-Sonnenhut ‚Baby Swan‘ (weiße Sorte) 2019 nur noch ein „Bonsai“.

Einen Purpursonnenhut „Baby Swan“, den ich erst im Frühjahr 2019 für einen anderen Kübel aus Glasfaser verstärktem Kunststoff bestellt habe, ist inzwischen viel größer als der alte jemals war, und seine erste Blüte ebenfalls. Apropos: Ich bin sehr gespannt, als wie frosthart sich das Pflanzgefäß aus Glasfaser-Verbundmaterial sowie die Pflanzen darin im nächsten Winter erweisen werden.

Purpur-Sonnenhut Echinacea purpurea ‚Baby Swan‘ (weiße Sorte) im Sommer 2019, gepflanzt im Frühjahr 2019: Die Pflanze ist kräftig, obwohl sie vermutlich ein Ernährungs-/pH-Wert-Problem hatte (scheint sich inzwischen zu verwachsen). Die erste Blüte im Sommer nach der Frühjahrspflanzung war riesig, siehe Bild. BTW: Hier teste ich Esteras-Pflanzkübel* aus leichtem Glasfaser-Verbundmaterial im Vergleich zu meinen verschiedenen Terrakotta-Gefäßen. Im größeren Topf dahinter wächst übrigens ein Schmetterlingsflieder mit Lavendel als Unterpflanzung.

Die falsche Sorte wurde geliefert

Das „Problem“, dass man (scheinbar oder wirklich) die falsche Sorte oder gar Art erhalten hat, endet nicht bei den mehrjährigen dekorativen Pflanzen, auch bei Gemüse und Kräutern kann es passieren. So hatte ich vor ein paar Jahren eine Auberginen-Jungpflanze, die völlig anders aussah, als die, die auf dem Etikett abgebildet war – viel exotischer; mit ihren sattvioletten Blüten und dunklen Trieben war sie eine Schönheit. Leider konnte ich die wahre Sorte im Nachhinein nicht ganz eindeutig bestimmen.

Diese Auberginenpflanze war als ‚Carmen‘ etikettiert. Ich rätsle bis heute, wie die Sorte wirklich hieß, denn ich war begeistert und würde sie gerne wieder anbauen (Foto von 2013: Überraschungs-Jungpflanzen von Dehner)

Für die Gartensaison 2019 hatte ich eine Chili-Sorte „Zitronen-Chili“ als Jungpflanzen bestellt – die Sorte sollte gelbe, hängende Früchte bekommen. Doch nun steht sie hier mit nach oben gereckten Früchten, grün mit einem Hauch von Dunkel, das sich vielleicht noch zu Rot wandelt. (Aber da die Topftomate mit den schwarzen Mini-Tomatenfrüchten, neben die ich die Pflanze mit den gelben Chilifrüchten stellen wollte, schon fast am Ende ihres Lebens angekommen ist (dank Hitze, Hagel und so weiter), kommt es auf die Farbe und Sorte nicht mehr wirklich an und ich werde nicht reklamieren.

Bestellt hatte ich ‚Zitronen-Chili‘. Das Bild im Online-Pflanzenshop hatte mich mit hängenden, gelb abreifenden Chili-Früchten auf diese Sorte neugierig gemacht.

Statt dessen werde ich den Winter nutzen und versuchen, den wirklichen Sortennamen herauszufinden. Nach dem Motto: Was habe ich da eigentlich letztes Jahr gehegt, gepflegt, bewundert und gegessen?

Nachtrag am 15.9.2019
Ich habe mich geirrt: Es ist doch ein Zitronenchili – die Früchte haben sich noch gelb gefärbt und mit der Schwerkraft gesenkt. Hier ein Bild als Beweis:

Erst Mitte September färbten sich die Chilischoten des ‚Zitronen-Chili‘ gelb und senkten sich teilweise ab.
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Was man daraus mitnehmen kann:

Pflanzen sind anpassungsfähig und ihre Wuchseigenschaften und Blütenfarben können an verschiedenen Standorten unterschiedlich sein. Manchmal hat man als Käufer aber auch die falschen Erwartungen – besonders wenn man nur ein einziges Katalog- oder Online-Bild als Grundlage der Kaufentscheidung hat. Online-Shops sollten möglichst mehrere Bilder, die bei unterschiedlichem Wetter, Standortbedingungen und so weiter aufgenommen wurden, zu den Produkten stellen und diese Bilder nach Möglichkeit nicht bearbeiten oder wenn, dann nur um das nicht Sortentypische zu dämpfen (und nicht, um gewünscht Sortentypisches zu betonen und vorzutäuschen).

Am sichersten fährt man als VerbraucherIn, wenn man sich eine Gärtnerei oder Baumschule des Vertrauens und mit Musteranpflanzungen in der Region sucht, wo man sich die Sorten live und sogar über einen Zeitraum hinweg anschauen kann. Letzteres kann man auch in Sichtungsgärten, beispielsweise in den Weihenstephaner Gärten, auf Gartenschauen und an Tagen der Offenen Gartentür.

Manchmal geschehen jedoch auch Irrtümer und Verwechslungen beim Pflanzenversender. Das Problem ist, dass man diese oft erst viele Monate nach dem Kauf feststellt. Reklamieren würde ich persönlich als Hobbygärtnerin nur, wenn die Pflanzung durch die falsche Sorte „optisch völlig zerstört“ wird. Bei Bestellungen und Pflanzungen für Auftraggeber, müssten Gartengestalter/GaLaBauer natürlich wesentlich strenger vorgehen, vor allem, wenn diese ihrerseits Ansprüche stellen. Rechtlich heißt so eine Falschlieferung „Sachmangel“. Der Käufer hat in der Regel Anspruch, die richtige Ware kostenlos innerhalb einer angemessenen Frist vom Verkäufer geliefert zu bekommen***.

Buchtipp

Gärtnern in Töpfen:*
Balkon und Terrasse mit Pflanzen gestalten*
Eva Schumann
Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 1. Auflage (2019)
Taschenbuch/Klappenbroschur, 128 S.,
86 Farbfotos, 3 Farbzeichungen, 17 Tabellen
ISBN 3-8186-0635-8





* Werbelink

*** Keine Rechtsauskunft, Angabe ohne Gewähr.




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Make-up für Männer. The Next Big Thing?

Laut einem Artikel in der Bloomberg Businessweek wird der weltweite Markt für Männer-Make-up im Jahr 2019 auf etwa 1,14 Milliarden US-Dollar geschätzt. Das ist zwar nur ein Bruchteil des insgesamt auf 71 Milliarden US-Dollar bezifferten Kosmetikmarktes, aber man hofft auf eine ebenso rasante Entwicklung des Männer-Make-up-Marktes, wie man ihn bei der Hautpflege für Männer beobachten kann. Während Fiveism x Three, Chanel, Shiseido und andere Beauty-Unternehmen hinsichtlich ihrer Männer-Marken vorsichtig, nämlich androgyn im Sinne von geschlechtsneutraler Präsentation daherkommen, verwirklicht Jeffree Star, einer der Vorreiter des Trends Männer in Make-up, sich mit seiner Marke selbst und lässt es farblich und designmäßig krachen. Ist Make-up für Männer demnächst das große Ding der Beauty-Branche?(Meinung)

Schaut man sich nach internationalen Beauty-Trends bei YouTube und Instagram um, sieht man, dass es zunehmend Jungen und Männer gibt, die sich für Make-up interessieren.

Unboxing „Boy de Chanel“ (YouTube-Video von Stephen Oscar):


Es sind nicht nur die, die sich der Musik-, Künstler-, Drag- oder LGBTQ+-Szene nahe fühlen oder einfach zuhause experimentieren und kreativ sein wollen, nein, auch Männer mit wenig schillerndem Alltag wollen sich im Büro, am Schalter, im Laden, in der Praxis, im Krankenhaus oder beim Date mit einem schönen Hautbild präsentieren. Um ihr von der Natur gegebenes Aussehen zu verbessern, nutzen sie zunehmend neben Körperpflegemitteln auch Make-up-Produkte wie Primer (Make-up-Unterlage für die optische Hautstrukturverbesserung, bessere Haltbarkeit sowie ein bestimmtes Finish – matt oder „glühend“), Foundation (Make-up für den gleichmäßigen Hautton) und Concealer (zum Verbergen von dunklen Augenringen oder Narben). Apropos: Der französische Präsident Emmanuel Macron soll angeblich einen eigenen Maskenbildner/Make-up-Artisten beschäftigen.

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Bloomberg Businessweek hat nun obige Zahlen veröffentlicht, die vom Marktforscher JUV Consulting stammmen, wobei die 1,4 Milliarden US-Dollar für den Make-up-Markt für Männer in 2019 laut Angaben von JUV eher konservativ geschätzt seien.

Men in Make-up: Die jungen ziehen die älteren mit

Als Treiber des Trends wird die Generation Z gesehen. Das ist die Generation, die nach dem Jahrtausendwechsel erwachsen geworden ist oder noch dabei ist: in den Jahren 1997 bis 2012 geborene Menschen. Die seien mit weniger strengen Vorgaben eines geschlechtstypischen Verhaltens aufgewachsen (Anmerkung der Autorin: Das trifft aber nur auf einige Länder zu und oft nur auf deren Großstädte und selbst da längst nicht auf alle „Szenen“). In Teilen Asiens probierten junge Männer schon seit einigen Jahren auch dekorative Kosmetik wie tönende Feuchtigkeitscreme und Ähnliches aus, inzwischen auch in den USA und China – das seien interessante Märkte nicht nur für auf Nischen spezialisierte kleine Beauty-Marken, sondern auch für große Kosmetikunternehmen wie L’Oréal, Shiseido oder Estée Lauder, so der Bloomberg-Business Artikel (zum Artikel in Englisch siehe Link unten).

Man solle sich nicht täuschen, die Generation Z sei nur der Anfang, aber sie werde die älteren Konsumenten mitziehen, wird Yasushi Ishibashi, erfahrender Make-up-Marken-Entwickler und Gründer von Acro Inc. zitiert. Zu dem Unternehmen gehört unter anderem die Männer-Kosmetikmarke Fiveism x Three (Konzept: Individualität, Selbstausdruck), mit der er die männlichen Konsumenten global erobern will.

Die Unternehmen der Beauty-Industrie hoffen auf eine ebenso positive Entwicklung, wie man sie in der Hautpflege (Gesichtsreinigung, Feuchtigkeitscremes) speziell für Männer sieht. Dieser Markt soll laut Euromonitor in den nächsten fünf Jahren um 24 Prozent auf 5 Milliarden US-Dollar wachsen.

Die großen Kosmetikunternehmen tasten sich vorsichtig an die Männer heran. Die meisten kreieren eigene Make-up-Linien für sie, die von den Farben und Formen her maskulin oder neutral daherkommen.

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(Shiseido Abdeckstift in 6 Farben)


Von Chanel gibt es beispielsweise die Linie „Boy de Chanel“, die einen Lippenpflegestift, einen „Teint-Perfektionierer“ sowie einen Stift für die Augenbrauengestaltung enthält – klassisches, minimales Design, blau-schwarz, hochpreisig. Shiseido Co. versucht sich mit BB Cream (kaschierende, getönte Tagescreme), Concealer und anderem. Wesentich forscher ist die japanische Marke Fiveism x Three, die laut dem Beitrag in der Bloomberg Businessweek bereits mit etwa 80 Produkten auf dem Markt sei und schon mal die besten Plätze besetzen will. Nicht mit eigenen Männerprodukten, aber mit androgynen Werbeclips laden andere Beauty-Marken wie Milk Makeup oder Rihanna/Fenty Beauty auch Männer ein, ihre Produkte zu kaufen.

Welches Make-up-Design wollen Männer?

Ganz anders als die bisher genannten Kosmetikunternehmen geht Jeffree Star an das Thema Make-up heran. Der Ex-Singer-Songwriter (ob er in der Musikszene wieder aktiv werden wird, ist derzeit nicht kommuniziert), Social-Media-Beauty-Guru und Make-up-Unternehmer (Jeffree Star Cosmetics) ist ein Vorreiter der Männer mit Make-up. Er hat alleine auf YouTube etwa 16 Millionen Fans und lässt sein Licht auch auf Nachwuchs-Make-up-Artisten scheinen, so auch auf „Boys in Beauty“, die hart dafür kämpfen, von den Kosmetikmarken als Makeup-Künstler oder Models wahrgenommen zu werden. Jeffree Star’s Zielgruppe sind weder Männer noch Frauen, sondern alle, die mit ihm Make-up zelebrieren wollen. Er steht nach eigenen Aussagen für Androgynität, doch für ihn ist Androgynität nicht eine neutrale oder geschlechtslose Mitte – so meine persönliche Deutung angesichts der Farben und Formen -, und Make-up ist für ihn auch nicht nur dezentes Aufhübschen, sondern ebenso Selbstverwirklichung, Kreativität und Therapie („Make-up is my Happy Place“).

Androgynität, so wird Jeffree Star in der Glamour 2017 zitiert, heißt für ihn: furchtlos und man selbst zu sein („it’s being fearless and yourself“). Und wenn einer keine Angst hat, aufzufallen und aus der Masse herauszustehen (oder dieser Angst nicht nachgegeben hat), dann er – und dafür wird er von Männern und Frauen schon seit seinen MySpace-Zeiten bewundert. Als Jugendlicher wollte er ein Spice-Girl sein, später konnte er sich mit auffallendem Make-up, leuchtend bunten Haaren und ungewöhnlichen Outfits als Marke inszenieren und etablieren. Inzwischen hat er sein eigenes, sehr erfolgreiches Indie-Make-up-Unternehmen und arbeitet gelegentlich auch mit Morphe Brushes an gemeinsamen Make-up-Projekten (Morphe x Jeffree Star). Seine Produkte sind für Männer und Frauen – aber nicht für Männer, denen es Unwohlsein bereitet, wenn ihre Produkte im Badezimmer nicht in klassisch maskulinen Farben und Formen dastehen.

Keine Angst vor Farben: Der Ex-(?)Rockstar Jeffree Star kündigt auf seinem YouTube-Kanal zu seiner eigenen Musik („Beauty Killer“) neue Produkte einer Zusammenarbeit an: Morphe x Jeffree Star:


Produkte von Jeffree Star Cosmetics sind so, wie es Jeffree Star gefällt, und das ist sehr oft rosa, sehr oft anders als der „Mainstream“ und fast immer mit einer Portion Magie. So gab es schon eine Lidschattenpalette „Blood Sugar“ mit überwiegend Rottönen, designed wie ein Erste-Hilfe-Koffer, und eine mit überwiegend Blautönen, „Blue Blood“, designed wie eine Schmuckschatulle in Sargform und anderes Ungewöhnliche mehr. Seine Fans danken ihm für seine besonderen Kreationen und deren Qualität. Jeffree Star sieht sich selbst als Jeffree mit einer weiblichen und einer männlichen Seite, denen er nach Lust und Laune sowie Anlass Ausdruck verleiht. Und dann ist da auch noch seine „Alien“-Seite, für die es eine eigene Lidschattenpalette gibt.

Und obwohl die Produkte seiner Marke Jeffree Star Cosmetics und ebenso die von Morphe x Jeffree Star oft in schönen Behältern in Rosa oder manchmal neonfarben, aber immer mit einem „Extra“ daherkommen, werden sie auch von Männern gekauft.

Produkte von Jeffree Star Cosmetics: Androgyny Lidschattenpalette, flüssiger Highlighter, Lip-Gloss, Lippenpeeling, Concealer, Setting-Puder. Rechts: Pinselbehälter aus einer vorherigen Zusammenarbeit Morphe x Jeffree Star.

Glaube ich, dass Make-up für Männer das nächste große Ding ist?

Ja. Und während ein Jeffree Star mit seinen Produkten (neben den Frauen) eher die mutigen Männer – egal welcher sexuellen Orientierung – anspricht, werden die großen Marken mit ihrer neutralen bis klassisch maskulinen Verpackung den Weg zum Make-up auch den Männern erleichtern, die Angst davor haben, als feminin zu gelten. (Anmerkung: Es soll ja angeblich noch Männer geben, die den Müll nicht rausbringen, weil der Nachbar sie deswegen für zu weiblich halten könnte.)

Der Bedarf an Make-up ist meiner Meinung nach auch in der Mainstream-Männerwelt da – vom pickeligen Teenager, der seine Akne verbergen will, über den Berufseinsteiger, der seine Tattoo-Sünden abdecken muss, bis zum Geschäftsführer, der auf Pressefotos mit makellosem Teint abgebildet sein möchte. Über diejenigen, denen es wichtig ist, wie sie auf Selfies aussehen, will ich gar nicht erst anfangen, zu reden.

Quellen und Weiteres

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